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Startseite News & Termine Creditreform News Online-Archiv Archiv 2010 Aktuelle Analyse: Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2010

Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Frühjahr 2010

Konjunkturelle Erholung im Mittelstand - Aufschwung aber kraftlos

Neuss, 08.04.2010

Creditreform befragte im März dieses Jahres mehr als 4.100 kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland zur aktuellen Wirtschaftslage, den Geschäftserwartungen und den gegenwärtigen Finanzierungsbedingungen. Gut ein Drittel der befragten Unternehmen (34,3 Prozent) antwortete auf die Frage nach der aktuellen Geschäftslage mit sehr gut oder gut. Gegenüber dem Vorjahr (33,0 Prozent) hat sich dieser Anteil leicht um 1,3 Prozentpunkte erhöht. Die Noten mangelhaft oder ungenügend werden seltener vergeben als 2009. Allerdings sind noch immer 10,8 Prozent der Unternehmen mit der Geschäftslage unzufrieden (Vorjahr: 13,8 Prozent). Der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen erreicht im Frühjahr 2010 plus 23,5 Punkte (2009: plus 19,2 Punkte; 2008: plus 42,0 Punkte).

Die Einschätzungen der Geschäftslage in den einzelnen Wirtschaftsbereichen zeigt ein ambivalentes Konjunkturbild des deutschen Mittelstandes: Eine bessere Geschäftslage als vor einem Jahr melden Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes (Saldo aus positiven und negativen Bewertungen: plus 16,2 Punkte; Vorjahr: plus 10,2 Punkte) und Dienstleister (plus 32,1 Punkte; Vorjahr: plus 21,6 Punkte). Schlechter als 2009 sind die Bewertungen im Handel (Saldo aus positiven und negativen Bewertungen: plus 15,0 Punkte; Vorjahr: plus 16,6 Punkte) und im Baugewerbe (plus 26,7 Punkte; Vorjahr: plus 29,3 Punkte).

Bei Aufträgen und Umsatz herrscht wieder Normalität

Die Auftrags- und Umsatzlage des Mittelstandes bessert sich: 22,0 Prozent der Unternehmen konnten steigende Auftragseingänge verbuchen – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr (11,6 Prozent). Bei jedem dritten Befragten (33,1 Prozent) gingen die Aufträge zurück (Vorjahr: 47,3 Prozent). Steigende Auftragseingänge melden per Saldo die Firmen des Kredit- und Versicherungsgewerbes, der Elektrotechnik, der Informations- und Kommunikationstechnik, der Chemiebranche sowie des Grundstücks- und Wohnungswesens. Ein überdurchschnittliches Minus verzeichnen Einzelhandel, Ausbaugewerbe, Verkehr/Logistik sowie Nahrungs- und Genussmittelhersteller.

Die Hälfte des starken Umsatzeinbruchs im vergangenen Frühjahr konnte 2010 wieder wettgemacht werden. Jedes fünfte Unternehmen (19,4 Prozent) verbuchte einen Umsatzanstieg; 37,7 Prozent der Befragten berichten von Umsatzrückgängen. Im Vorjahr musste jeder Zweite (49,1 Prozent) ein Umsatzminus hinnehmen, lediglich 10,7 Prozent der Unternehmen konnten damals einen Zuwachs melden. Der Saldo aus Umsatzzuwächsen und -rückgängen notiert mit minus 18,3 Punkten im Bereich des langjährigen Durchschnitts seit 1996 (minus 20,2 Punkte). Ein hoher Anteil an Unternehmen mit Umsatzrückgängen findet sich aber weiterhin im Einzelhandel und im Ausbaugewerbe.

Der Mittelstand sorgt für Stabilität auf dem Arbeitsmarkt: Fast zwei Drittel der Unternehmen (63,7 Prozent) hat die Mitarbeiterzahl im Verlauf der vergangenen sechs Monate unverändert gelassen. 15,0 Prozent (Vorjahr: 11,1 Prozent) der Mittelständler haben zusätzliches Personal eingestellt, 20,9 Prozent waren zu Entlassungen gezwungen. Bei ihren Neueinstellungen setzen die Unternehmen verstärkt auf flexiblere Beschäftigungsverhältnisse: 15,6 Prozent der Betriebe stellten Mitarbeiter auf Teilzeitbasis ein, jeder Zehnte (10,2 Prozent) schuf 400-Euro-Jobs. Drei Viertel der Unternehmen (74,2 Prozent; Vorjahr: 78,8 Prozent), die aufgestockt haben, verstärkten sich mit Vollzeitkräften.

Erwartungen hellen auf – Mittelstand stellt wieder ein

Die Umsatzerwartungen für die kommenden sechs Monate haben sich deutlich aufgehellt. Knapp ein Drittel der Unternehmen (31,0 Prozent) rechnet mit einem Umsatzanstieg – im vergangenen Jahr waren nur 17,2 Prozent der Befragten optimistisch. Der Anteil der Firmen, die Umsatzrückgänge befürchten, sinkt von 38,2 Prozent im Frühjahr 2009 auf aktuell nur noch 17,5 Prozent. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Umsatzerwartungen notiert wieder im positiven Bereich (plus 13,5 Punkte), nachdem im vergangenen Jahr (minus 21,0 Punkte) der schlechteste Wert seit der Wiedervereinigung registriert wurde. In allen Wirtschaftsbereichen sind die Unternehmen zuversichtlicher geworden. Am optimistischsten sind derzeit die Wirtschaftsbereiche Chemische Industrie sowie IKT-, Finanz- und Personendienstleistungen. Mit weiteren Umsatzeinbußen rechnen dagegen der Einzelhandel und die Holz- und Papierbranche.

Die mittelständischen Unternehmen werden in den kommenden Monaten mehr Neueinstellungen vornehmen: 18,2 Prozent der befragten Unternehmen (Vorjahr: 10,5 Prozent) planen, die Beschäftigtenzahl aufzustocken – einen Stellenabbau sehen 10,4 Prozent der Mittelständler vor (Vorjahr: 17,2 Prozent). Der Saldo der Personalplanungen notiert bei plus 7,8 Punkten (Vorjahr: minus 6,7 Punkte). Nur dreimal in den letzten zehn Jahren (2006 bis 2008) wurde ein höherer Wert gemessen. Dabei dürften sich die Dienstleister als Jobmotor der Zukunft erweisen (Saldo: plus 15,4 Punkte). Auch neugegründete Firmen (Saldo: plus 24,8 Punkte) und junge Unternehmen in der Wachstumsphase (Saldo: plus 19,8 Punkte) werden in den kommenden Monaten verstärkt nach Fachkräften suchen.

Mehr Geld für Investitionen

Der Anteil der investitionsbereiten Unternehmen im Mittelstand steigt auf 44,3 Prozent (Vorjahr: 41,4 Prozent). Dabei bleibt der aktuelle Wert aber um 4,7 Prozentpunkte hinter dem Durchschnitt der letzten 15 Jahre zurück. Anders als im vergangenen Jahr (46,9 Prozent), planen die Unternehmen im Frühjahr 2010 wieder mehr Erweiterungsinvestitionen. 50,3 Prozent der Befragten wollen zusätzliche Fertigungskapazitäten schaffen. Zudem erhöhen die Mittelständler den Umfang ihrer Investitionsausgaben: Wenn investiert wird, dann in 86,5 Prozent der Fälle mit einem höheren oder zumindest gleichgebliebenen Budget (Vorjahr: 78,2 Prozent der Fälle).

Ertragslage stabilisiert – Notwendigkeit zur Eigenkapitalstärkung

Obwohl sich erste positive Signale in der Ertragsentwicklung des deutschen Mittelstandes abzeichnen, bleibt die Lage angespannt. Im Frühjahr 2010 berichtet jedes siebte Unternehmen (14,9 Prozent) von Ertragszuwächsen. Vor einem Jahr meldeten nur 9,2 Prozent der Befragten einen Gewinnanstieg. Gleichwohl ist der Anteil der Unternehmen, die über Ertragsrückgänge klagen, mit 42,5 Prozent (Vorjahr: 51,6 Prozent) weiterhin sehr hoch. In den kommenden Monaten dürften die mittelständischen Unternehmen wieder häufiger Ertragssteigerungen melden: Jeder Vierte (24,8 Prozent) ist zuversichtlich, einen höheren Gewinn zu erzielen, während 26,8 Prozent der Befragten ein Minus erwarten. Einzig im Dienstleistungssektor rechnen die Betriebe per Saldo mit Ertragszuwächsen.

Zu befürchten ist jedoch, dass die leichten Verbesserungen beim Gewinn für eine Reihe von Unternehmen zu spät kommen. Auch 2010 wird mit steigenden Insolvenzzahlen zu rechnen sein. Immer noch haben drei von zehn Unternehmen (28,7 Prozent) eine Eigenkapitalquote, die weniger als zehn Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Vor allem kleine Unternehmen haben in dieser Hinsicht Nachholbedarf: So gelten 36,9 Prozent der Kleinbetriebe mit weniger als fünf Mitarbeitern als unterkapitalisiert, während das bei den Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten nur auf jeden Achten (12,6 Prozent) zutrifft.

Kreditbedingungen weiter restriktiv

Für den Mittelstand ist es schwieriger geworden, Kredite zu bekommen. Jedes sechste Unternehmen (16,7 Prozent), das Verschärfungen beim Kreditzugang erlebte, berichtet im Frühjahr 2010 von einer Ablehnung des Kreditgesuchs. Hiervon überdurchschnittlich betroffen sind Bauunternehmen (19,6 Prozent) sowie junge Firmen. Fast 30 Prozent der 2008 und 2009 gegründeten Betriebe wurde der Kredit verweigert. Etablierte Unternehmen, mit mehr als zehnjähriger Marktzugehörigkeit, trifft es weniger (13,3 Prozent).

Ohne hohe Sicherheiten gibt es keinen Kredit – 84,4 Prozent der Unternehmen nennen die gestiegenen Anforderungen der Banken bezüglich der zu stellenden Sicherheiten als problematisch. 35,3 Prozent mussten höhere Risikoaufschläge in Kauf nehmen. Eine grundlegende Entspannung der Finanzierungssituation zeichnet sich aus Sicht der befragten Unternehmen nicht ab. 91,4 Prozent der Mittelständler rechnen bei der künftigen Kapitalaufnahme mit Schwierigkeiten. Vor einem Jahr waren erst 84,6 Prozent der Befragten skeptisch.

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